|
Die Anwesenheit in Köln von italienischen Missionaren kann erst im
Jahre 1941 festgestellt werden als noch der Zweite Weltkrieg wütete.
P. Turinetti scheint offiziell der erste Priester gewesen zu sein,
der als Militärkaplan damit betraut wurde, sich um die meist in den
Arbeitslagern befindenden Italiener, in den Gebieten um Essen,
Düsseldorf, Aachen, Köln und Trier zu kümmern. Ganz auf sich allein
gestellt hatte er in Köln im Kolpinghaus auf der Breitestraße
Unterkunft gefunden. Seine Erzählungen sind anrührend und spiegeln
die starken Nöten unserer Leute wieder sowie seine Bemühungen,
bessere Zustände zu erwirken.
P. Turinettis harte Jahre enden mit der Ankunft im Jahre 1951 von
Don Vincenzo Mecheroni, der aus Rom geschickt worden war, um sich
der Italiener in den Gebieten um Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen,
Wuppertal, Dortmund, Duisburg und Münster anzunehmen. Don Mecheroni
findet zunächst einmal Unterkunft in Nippes in der Merheimer Straße,
später dann im Hochbunker in der Domstraße 8 und wird Zeuge jenes
schwierigen jedoch bemerkenswerten Wirtschaftswunders sowie des
sozialen Wiederaufbaus der Nachkriegszeit.
Im Jahre 1955 wird seine Aufgabe von Don Aldo Casadei übernommen,
der seine Wohnung in der Ursulagartenstraße 16 bezieht.
Inzwischen wächst die Notwendigkeit, den religiösen Beistand für
unsere Landsleute, deren Zahl ständig steigt, zu koordinieren bzw.
zu organisieren, so dass es mehr und mehr erforderlich wird, eine
Struktur zu schaffen die als Treffpunkt und Anlaufstelle dient. Der
Gedanke einer Katholischen Mission für italienische Migranten nimmt
Gestalt an und 1960 wird dieses Projekt den Missionaren der
Scalabrini Patres anvertraut, welches durch P. Giuseppe Zanatta
verwirklicht wird, der wiederum Leiter der Mission in Köln wird.
Im Jahre 1961 wird der gegenwärtige Sitz, ein vierstöckiges Gebäude
in der Ursulagartenstraße 18 eingeweiht. Das Haus besteht aus zwei
großen Sälen, mehrere Büros, sowie den Wohnungen der Missionare und
der Schwestern vom Göttlichen Willen, die am 26.11.1961 nach Köln
gekommen sind.
Nach verschiedenen Wechselfällen und provisorischen Lösungen wird
dem logistischen Sitz auch noch ein liturgischer Sitz zugewiesen: am
10. April 1965 wird die herrliche barocke Kirche von St. Mariä
Himmelfahrt, obwohl sie nach den Bombenschäden des Zweiten
Weltkrieges, die sie fast dem Erdboden gleich gemacht hatten, noch
nicht vollständig wieder aufgebaut worden war, zur Kirche der
Italiener in Köln. Dies wird sie dann auch endgültig ab 1977 bei
Beendigung der Arbeiten.
Im Laufe der Jahre erstreckt sich die seelsorgerische Tätigkeit der
Missionare vom Hauptsitz im Zentrum der Stadt auch in die Viertel am
Rande der Stadt, wo sich unsere Landsleute in größer Zahl nieder
gelassen haben und zwar besonders in Kalk, Nippes, Ehrenfeld,
Mülheim und der Kölner Südstadt.
P. Giuseppe Zanatta werden weitere Missionare folgen und seinen
Platz einnehmen wie: P. Ferruccio Agugiaro, P. Pietro Rubin, P.
Angelo Negrini, P. Tarcisio Rubin. In den 70er Jahren folgen P.
Giancarlo Cordani, P. Gabriele Parolin, P. Innocenzo Cardellini; in
den 80ern P. Mario Raccanello, P. Beniamino Rossi, und in den 90er
Jahren P. Daniele Sartori, P. Arcangelo Maira, und der jetzige
Leiter P. Gildo Baggio, der von P. Pietro Spillere und P. Gino
Marzola unterstützt wird.
In der Mission wohnt auch P. Tobias Kessler, der für die Seelsorge
an fremdsprachige Jugendliche des Erzbistums Köln verantwortlich
ist.
Zahlreich und mannigfaltig sind seither die seelsorgerischen
Aktivitäten und Initiativen, die die Missionare in die Wege geleitet
haben, gewesen.
Ihr Engagement und ihr wirken war nicht nur auf die Entwicklung und
der Festigung ihrer seelsorgerischen Tätigkeit beschränkt. Um ihren
italienischen Landsleuten die Gelegenheit einer beruflichen und
einer persönlichen Bildung zu beben, haben P. Luigi Zonta zunächst
und P. Giancarlo Cordani danach ein großes Vorhaben verwirklicht und
im März 1970 in den Räumen der Mission „Abendkurse für die Erlangung
des Abschlusses der Mittelschule sowie des Diploms als
Grundschullehrer für italienische Kinder" für junge Migranten
geschaffen. Daraus hat sich später das Istituto Scolastico Italiano
G. B. Scalabrini (ISIS) entwickelt, das viele junge Menschen
erfolgreich ins Berufsleben eingeführt hat. Zu jenen anfänglichen
Abendkursen ist der Tagesunterricht in Berufsbildenden Schulen für
Handel und Sprachen hinzugekommen. 1976 ist das ISIS,
verwaltungsrechtlich an das Erzbistum Köln übergegangen, welches
diese Initiative mit der Unterstützung der Missionare bis Juli 1999
weiter geführt hat. Über dreitausend italienische Arbeiter haben die
Mittelschule abgeschlossen und ungefähr eintausend Junge Leute die
Hochschulreife erlangt.
Und die Geschichte wiederholt sich: im Jahre 1997 hat die Mission
erneut, auch wenn nur für ein Jahr, ihre Räumlichkeiten einer Schule
zur Verfügung gestellt. Diesmal handelt es sich um das Istituto
Italo Svevo, eine mutige Initiative die der aus der Erfahrung des
ISIS entsprungen ist.
|